Digitaler Informationskanal

drj art projects und edition ROTE INSEL starten ein neues Informationsangebot: Direkt neben den Ausstellungsräumen der Programmgalerie in der Leberstraße 60 wird ab Ende Januar ein Digitales Schaufenster eingerichtet. Dort werden künftig aktuelle Inhalte direkt vor Ort vermittelt, sodass auch in Zeiten von Social Distancing und geschlossenen Ausstellungen ein themenbezogener Kontakt zu Kunst, Architektur und Stadtentwicklung möglich bleibt.

Zum Start wird ein besonderer Schwerpunkt auf die Geschichte des ehemaligen Gaswerks in der Torgauer Straße und seiner Entwicklung gelegt. Aktueller Anlass dafür ist der bevorstehende bauliche Abschluss der 2008 begonnenen Nachnutzung zum EUREF-Campus: Das erhaltene Gerüst des 1995 stillgelegten Gastanks IV, der weit über das Quartier hinaus bekannte Schöneberger Gasometer, wird dabei zum Bürohaus mit Kongresszentrum ausgebaut werden. Was genau geplant ist, kann ab 25. Januar 2021 im Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg im Rahmen der Bürger*innen-Beteiligung in den ausgelegten Plänen eingesehen und kommentiert werden. Zur besseren Veranschaulichung werden Bilder und einprägsame Texte dazu im Digitalen Schaufenster des Infokanals in einer animierten Darstellung gezeigt. Zur vertiefenden Einordnung in stadtgeschichtliche und städtebauliche Entwicklungszusammenhänge werden darüber hinaus Fotos, Texte und erläuternde Daten auf einer angegliederten Website zusammengefasst. Über einen QR-Code können diese vertieften Informationen zeitnah gefunden und nachgelesen werden.
Die Präsentation, und in der Folge die zusammengetragenen Informationen auf der Website, haben das Ziel, den Betrachtenden auf der Grundlage von aktuellen Tatsachen und historischen Fakten eine aufgeklärte Position und fundierte kritische Meinung zu diesem Bauprojekt zu ermöglichen. Nur so kann eine sachliche Debatte gelingen.

Die weiteren, künftig vermittelten Inhalte des Infokanals im Digitalen Schaufenster sind in Kategorien angelegt, die laufend aktualisiert und erweitert werden.

Die Internetadresse des Infokanals ist infokanal.rote-insel.com



Hintergrund
Seit 2008 werden in der Programmgalerie drj art projects in der Leberstraße 60 Ausstellungen und Projekte zur konzeptuellen und minimalen Kunst und Architektur gezeigt. Die starke lokale Verknüpfung zum Quartier Rote Insel zeigt sich dabei sowohl am Bezug der Bezeichnung – drj ist die heutige Abkürzung von dr. julius | ap, was sich auf den Namensgeber der Straße, NS-Widerstandskämpfer Dr. Julius Leber, bezieht – als auch im Namen der angegliederten Edition für Publikationen und Auflagenwerke, der edition ROTE INSEL, die 2010 gegründet wurde.

In den letzten 13 Jahren ist so über Kunst-, Architektur- und Stadtthemen hinaus ein Raum für den Austausch über aktuelle Entwicklungen des Stadtteils entstanden. Schon 2008 wurden stadthistorische Rundgänge und Gesprächsrunden zu den damals in Planung befindlichen Maßnahmen des Programms Stadtumbau-West angeboten, wofür architekturwissenschaftlich fundierte Zusammenhänge der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Quartiers zusammengetragen und in Kurzvorträgen den Teilnehmenden vermittelt wurden. Der nun neu installierte Informationskanal mit dem Digitalen Schaufenster knüpft inhaltlich ganz direkt an diese Vermittlungsarbeit an.

Grundlage dieser Arbeit sind dabei stets die Anwendung der am Forschungsschwerpunkt Bau, Raum und Alltagskultur der Hochschule der Künste Berlin in den 1980er Jahren spezifisch für die Architektur- und Stadtentwicklungsforschung entwickelten Methoden von Prof. Dr. Jonas Geist [1936–2009]. Dessen letzter Assistent war Matthias Seidel, Architekt und Gründer von drj art projects. Zudem sind die Forschungen der Berliner Geschichtswerkstatt, die ebenfalls bereits in den 1980er Jahren herausragende Basisarbeit zur Stadtteilforschung der Roten Insel geleistet hat, unverzichtbarer Bestandteil jeder Beschäftigung mit dieser besonderen Gegend Berlins.